Zeit nehmen

Bewusst sich Zeit nehmen, einfach mal nur da sein, und erfahren, wie ich dadurch Zeit gewinne. Die Zeit gehört mir.

In den alten Tagen hatte man vor dem Haus eine Bank, auf der oft die Großeltern sassen. Abends sassen sie nur einfach da und beobachten, wie der Tag sich dem Abend neigte; alles wurde still. Sie taten nichts ausser dasitzen. Von Ihnen ging große Ruhe und Friede aus. Man konnte es ihnen ansehen, wie sie die Zeit geniesen konnten. Es wurde immer viel gearbeitet, aber auch nach dem Tagwerk hatten sie die Fähigkeit abzuschalten. Eine andere Qualität der Zeit war für sie angebrochen. Die Zeit quälte sie nicht, die Zeit hat sie nicht tyrannisiert, sondern lud sie ein dankbar zu sein.

Diese Augenblicke, in denen ich einfach nur da sitze, meinen Gedanken nachhänge, sind oft die besten Momente, die fruchtbarsten Augenblicke. Es kommen neue Ideen, Probleme lösen sich, alles relativiert sich ein wenig. Lösungen durch angestrengtes Nachdenken sind meist weniger schön als diejenigen, die einen durch „Nichts-tun“ in die Händen fallen.

Gott schuf die Zeit…

„Gott schuf die Zeit, er sprach nicht von der Eile“, weiß ein finnisches Sprichwort. Zeit ist ein begrenztes gut, denn wir haben nicht unbegrenzt davon. Solch ein kostebares Gut will muss sorgfälltig und wohlüberlegt behandelt sein. Es ist egal, ob es sich um ein Kind, einen Jugendlichen, einen Menschen in der Mitte seiner Schaffenskraft stehend oder einen älteren Menschen handelt. Fast alle Menschen müssen erst lernen mit ihrer Zeit umzugehen, denn sonst werden sehr schnell und sehr leicht die falschen Schwerpunkte gesetzt. Zwei untrennbare Grössen sind dabei Geduld und Zeit, und nur mit diesen beiden Komponenten lässt sich gutes Tun. Mit Menschen seine Zeit zu teilen, ist heute eines der grössten Luxusgüter die wir haben. Die Zeit mit einem geliebten Menschen zu teilen ist das Leben teilen wie das tägliche Brot. Ein nachdenkliches Wort von Hector Berlioz sagt: „Die Zeit ist eine große Lehrmeisterin. Leider bringt sie alle ihre Schüler um.“

Beschäftigt

Kein Mensch ist so beschäftigt, dass er nicht die Zeit hat, überall zu erzählen, wie beschäftigt er ist. „Stimmt, geht mir genau so!“

Zeit

Es sollte gepresste Zeit in Tuben geben, gefaltete Zeit in kleinen Schachteln, Instant-Zeitpulver zum Anrühren.

Zeit

Zeit ist eine Erfindung der Menschen. Das Leben ist allerdings die Erfindung des Universums.

Wandertage 2009

Die nachstehende SMS ungefiltert und ohne Erlaubnis ihres Absenders, hat mich am 4.5.09 gegen 22.20 Uhr erreicht.

hi, eigentlich wollte ich Dir eine lange E-Mail über Deinen Sinn & Bewegrund einer erneuten Pilgerreise schreiben – als Entscheidungs-Krücke ..fix nochmal – die Zeit vergeht, mein Freund! Es gäbe so viel zu sagen – soviel – es geht nicht um den Weg, die Route, die Stationen – wobei ein vertrauter Weg mehr Raum für innere Reflektionen läßt! Doch eigentlich geht es um Zeit & Raum für Dich mit so wenig vertrauten & belasteten Einflüßen wie möglich – suche und finde den Dialog mit DIR selbst – nur darum geht es – um Dich! Klingt einfach – ist es nicht! Gehe den Weg so oft – bis Du das Ziel, Dich selbst zu finden, Dich selbst zu erkennen, erreichst! Doch vergeude den Weg & Deine Zeit nicht damit, vor Dir selbst davon zu laufen – nähere Dich Dir mit jedem Schritt – damit ist der Weg egal ;-) Dein Freund, A….

Heute habe ich von einem anderen Freund erfahren, dass ein gemeinsamer Geschäftspartner von uns, letzten Montag, 4.5., verstorben ist. Gerade mal 45 Jahre jung. Er war vor 3 Wochen bei uns, anschliessend bei den Kollegen in München, da er mit seinen beiden Kindern (11/16) zum Gardasee fuhr. 

Diese Nachricht hatte noch folgendes zum Inhalt: Denkt dran: das Leben kann ein Kurzes sein! In dem Sinne: bleibt gesund und passt auf Euch auf! Grüsse, M….

Und was hat dies alles mit „Wandertage 2009“ zu tun?
Vieles und einiges! Die 3 aus Bamberg ziehen am kommenden Wochenende über Hahn, Santander nach Leon. Ich wünsch´ euch von ganzem Herzen alles erdenklich Gute! Auf nach Santiago!

Am 19. Mai wird wieder jemand aus meinem Freundeskreis nach Spanien fliegen. Er wird von St Jean aus starten, hat 4 bis 8 Wochen Zeit. Nimm sie Dir! Nutze die Zeit! Wie gerne würde ich mitkommen und komm nicht weg. Nicht diese lange Zeit.

 

Meine Wandertage werden kommen, so oder so! Die Bücher sind gekauft, gelesen und verstanden. Die Gedanken drehen sich darum, der Mut und der Wille ist da, es wieder zu tun. Ich freue mich darauf!  

Zeit bekommt eine andere Qualität…

Auf Wanderschaft bekommt Zeit eine ganz andere Qualität.

Ich bin den Weg nicht gegangen, um ein einsames Abenteuer zu vollbringen, dessen ich mich im Nachhinein rühmen kann, nicht eine exzentrischen Urlaub zu machen oder mich mit denen zu vergleichen die den Weg bereits gegangen sind oder denen etwas voraus zu haben, die zu Hause geblieben sind und ihn nicht gehen können. Vielleicht war da ein Ruf, aufzubrechen, sich Zeit zu nehmen und dies auch für andere zu tun.

Die Wanderung hörte in Finesterre auf, körperlich, geographisch, auf. Das Ende der Welt war 3 Tage nach Santiago erreicht, aber das Gefühl weiterlaufen zu können ist sehr stark. Eine Art „gute Unruhe“. Ich bin unterwegs, nicht genau zu wissen oder zu sehen, wo ich ankomme, wo ich entlang gehe. Die innere Uhr scheint sich neu zu justieren und die Parameter um einen herum stellen sich neu ein. Einmal ist mir aufgefallen, dass ich weiter als die anderen jetzt gegangen bin. Viele gehen nur bis Santiago, nur wenige gehen weiter, aber unter diesen wenigen sind wieder bekannte Gesichter dabei. Gesichter, die ich seit Wochen immer wieder kommen und gehen sah. Es hat etwas von einer Art Feiertagslaune ansich, in der einem einfach alles gefällt – nach Finesterre! Ähnliches habe ich in den Tagen vor Santiago gespürt.

Viele fragten mich vor und nach der Wanderung, wie man den Tag so plant, wieviel ich laufen werde, und vieles mehr. Es sind viele Augenblicksentscheidungen. Mag sein, dass es im weiteren Verlauf des Weges einen noch besseren Platz gibt, an dem ich hätte bleiben können, mag sein, dass die Sonne in einer Stunde nicht mehr scheint, wenn ich jetzt Pause mache und einkaufen gehe. Mag sein, dass das Essen weniger kostet oder die Landschaft schöner ist, um Fotos zu machen. Trotz alledem muss ich immer vorher entscheiden, denn es kann eben auch sein, dass das alles nicht so ist und ich kann (und will) nicht zurückkommen und meine Entscheidung widerrufen. Unterwegs sein heisst, sich mit dem anfreunden, was im jeweiligen Moment möglich ist, auch wenn es nicht immer das Beste oder Schönste oder das ist, was man sich gewünscht hat. Ich muss mich auf den „Camino“ verlassen; haben ja auch schon viele vor mir getan.