Würstchenverkäufer

Wir leben heute in einer Welt der stetigen Herausforderung.

Mit ist bewußt, dass ich in unserer Branche der Werbemittel mit Menschen zu tun habe, die diese Herausforderung allerdings sogar suchen. Eine solche Haltung ist aber leider nicht selbstverständlich. Überall wird gejammert, grau in grau gesehen, miese Stimmung verbreitet. Man kann geradezu von einer „deutschen Lähmung“ sprechen. Wir sind Weltmeister im Klagen.

Von Aufbruchstimmung, von Ärmel hoch krempeln, von in die Hände spucken und „Jetzt erst recht-Haltung“ ist weit und breit nichts zu spüren. Das macht mir Sorgen.

Warum?
Weil dieses negative Denken sehr gefährlich sein kann. Folgende kleine Geschichte mag es verdeutlichen:

Ein Mann verkaufte heisse Würstchen an einer belebten Strassenkreuzung in einer grossen Stadt. Er war schwerhörig, deshalb hatte er kein Radio. Er sah schlecht, deshalb las er keine Zeitung. Aber er verkaufte verdammt köstliche heisse Würstchen!

Das sprach sich herum und die Nachfrage stieg von Tag zu Tag. Er kaufte einen grösseren Herd, musste immer mehr Fleisch und Brötchen einkaufen. Er holte seinen Sohn von der Universität zurück, damit er ihn unterstützt. Aber dann geschah etwas…

Sein Sohn sagte: „Vater, hast du denn nicht Radio gehört? Eine schwere Rezession kommt auf uns zu. Der Umsatz wird zurückgehen. Du solltest nicht mehr investieren!“

Der Vater dachte: „Nun, mein Sohn hat studiert. Er schaut Fernsehen, hört Radio, liest Zeitung. Der muss es schliesslich wissen.“

Also verringerte er seine Fleisch- und Brötcheneinkäufe, sparte an der Qualität des Fleisches. Er verringte seine Kosten, in dem er keine Werbung mehr machte. Und das Schlimmste: die Ungewissheit vor der Zukunft liess ihn missmutig werden im Umgang mit seinen Kunden.

Was passierte daraufhin? Es ging blitzschnell: sein Absatz an heissen Würstchen fiel über Nacht. „Du hattest recht, mein Sohn“, sagte der Vater zum Jungen, „es steht uns wirklich eine schwere Rezession bevor.“

Was zeigt uns diese Geschichte?
Sie macht deutlich: „Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht – in beiden Fällen bekommst du recht.“

Es ist ein Naturgesetz, daß ein oft wiederholte Gedanke zur Realität wird. Sie können die Auswirkungen dieses Gesetzes überall in Ihrer Umgebung beobachten. Der „eingebildete“ Kranke fürchtet dauernd, krank zu werden. Der nächste Schritt ist, dass er glaubt, krank zu sein. Und bald ist er wirklich krank.
27.2.09