mit dem Zug

Mit dem Zug fährt man von Bayonne nach St Jean Pied de Port. Um zu vermeiden in der Schlage an die besetzten Fahrkartenschalter, den Bahnhof betreten und gleich rechter Hand ist ein Fahrkartenautomat (nimmt nur Hartgeld, keine Scheine!). Spart – je nach Andrang – locker eine Stunde herumstehen und den Zug verpassen. Die Jungs aus Schesslitz haben sich hier Tickets via Internet besorgt. 

 

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Hotel in Santiago

Das kleine Hotel hat mehrere „Nebenhäuser“ und der kleine Platz „Fonseca“ hat zwei Bars zu bieten. Wenn man sich in eine der Bar setzt, sieht man ununterbrochen Pilger/Wanderer vorbeiziehen, die man hier und da schon mal gesehen hat. Hier habe ich auch meine „Milanesen“ mal wieder getroffen, die ich schon in Larrasoana mit in der Herberge hatte. Die Welt und der Jakobsweg sind ein Dorf!

Übernachtung von Samstag auf Sonntag hat nur 40 Euro gekostet, ein kleines Zimmer, tiptop sauber, Fenster allerdings zur Fussgängerzone, und da wirds auch nachts nicht soo leise. Aber was soll´s: Ich habe es geschafft und werde von hier am Sonntag Mittag gegen 14 Uhr Richtung Ende der Welt aufbrechen. 

 

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Santiago Catedral Museo

Die Besichtung und Führung über die Dächer der Kathedrale kostet zwar 8 Euro und ist in fliessend Spanisch ohne ein Wort Englisch oder Deutsch gehalten, aber sein Geld wert. Super Aussichten. Hier meine Eintrittskarte…weil wichtig wegen Reservierung. Ohne Germán hätte das mit Sicherheit nicht geklappt. Fängt immer so roundabout 11.30 Uhr an und dauert ca. 2 Stunden. Anschliessend habe ich meinen Rucksack geholt, mich von Germán verabschiedet, der am gleichen Abend noch nach Barcelona geflogen ist und bin Richtung Ende der Welt gelaufen. 

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Warum…?

Gestern, Dienstag, habe ich Gelegenheit gehabt, etwas vor völlig unbedarften Menschen über meine Wanderung zu erzählen.Lange Rede kurzer Sinn: Ich bin gefragt worden, warum ich einen so touristisch erschlossenen Weg wie den Jakobsweg von St Jean nach Santiago gelaufen bin? Wenn ich die Einsamkeit, das Alleinsein gesucht hätte, dann wäre doch auch eine Wanderung durch die Alpen möglich gewesen. Dort trifft man weit weniger Wanderer, Mitmenschen als sich jeden Tag auf dem Jakobsweg Gedanken machen zu müssen, ob man abends eine Unterkunft findet. Ich auf dem Nachhauseweg echt grübeln. Gut, richtiges Alleinsein kann man auch in der Fränkischen Schweiz oder zuhause im Keller. Warum machen Menschen dann diese Wanderung, wenn Sie u.a. den Grund „Alleinsein“ anführen. Einsam und allein ist man nie auf diesem Weg. Gut, es gibt stille und weniger stille Zeiten, aber so richtig menschenseelenalleine ist man eigentlich nirgends. Interessanter Gedanke. Oder? Wenn der eine oder andere Leser mir dazu einen Kommentar geben möchte, würde ich mich über Kommentare freuen.

das Ende

Die schwierigste Situation ist nach dem Ende des Jakobswegs, wenn ich wieder in den Alltag zurückkomme. Es hat nichts geändert, die Familie nicht, das berufliche und soziale Umfeld nicht. Gut, ich habe im Vorfeld der Wanderung es nicht an die grosse Glocke gehängt, dass ich mal für fast 5 Wochen weg bin, aber nach meiner Rückkehr zeigten nur wenige bis gar keine Menschen echtes Interesse nachzufragen oder hatten die Energie, den Willen, den Mut nachzufragen. Schon zweimal nicht sich die 1250 Bilder anzuschauen. Das ist kein Vorwurf, nur eine Feststellung. 1250 Bilder sind schon ziemlich langatmig, gebe ich offen zu. Habe ich auch nicht wirklich erwartet, von diesem hohen Ross habe ich nicht mal herabsteigen müssen, weil ich es nie bestiegen habe. Wozu auch…? Es ist auch schwer für meine Mitmenschen meine Beweggründe für diese Auszeit, diese Abschaltphase, dieses selbstgewählte Alleinsein zu verstehen. Einige Ansätze gaben zwar Diskussionsgrundlagen, aber nie ein wirkliches Gespräch. Da hatte ich auf dem Camino mit wildfremden Menschen tiefgehendere Gespräche als hier zuhause. Vielleicht liegt es auch daran, dass diese Art der Erfahrung schwer mitzuteilen ist und die Tatsache, dass sie über so eine lange Zeit wie fast 5 Wochen gemacht wurde – und  noch darüber hinaus wirkt – und somit schwer vermittelbar ist.

Meinen Gedanken einige Freunde mit auf einen „halben Jakobsweg ab Leon nach Santiago“ 2009 mitzunehmen scheiterten aufgrund von Badrenovierungen, Angst laufen zu müssen, Angst schnarchende Bettnachbarn zu haben, Angst und Bedenken, nichts richtiges zu Essen zu bekommen, Angst vor so langen Zeit (keine zwei Wochen für 450 km) von zu Hause weg zu sein, Angst die Erlaubnis von seiner Lebensgefährtin nicht zu bekommen. Aber das macht alles nichts, denn der Jakobsweg ist jetzt 1000 Jahre da und sicherlich nochmal 1000 Jahre, somit habe ich alle Zeit der Welt zu warten, ob jemand mit gehen will oder nicht. Freuen würde ich mich in jedem Fall über den eine oder anderen Begleiter.

Es ist nicht einfach sich mit diesen Situationen abzufinden. Es ist und bleibt schwer nur einen kleinen Teil der Erfahrungen, Gedanken und Gefühle in den Alltag hinüber zu retten. Es hat sich in mir einiges geändert, was vielleicht nur ich erkenne, vielleicht andere auch, aber viele erkennen die Veränderungen nicht. So mein Gefühl.

bei den Mönchen

Leider bin ich in Rabanal del Camino nur auf zwei Kaffee geblieben und weiter nach Foncebadon gelaufen. Erst einige Tage später habe ich in einem Gespräch gehört, dass man in Rabanal in einem Benediktinerkloster übernachten kann. Minderstens 3 Nächte bleiben soll, das Mönchsleben „mitmachen“ kann. Das Angebot der Mönche erstreckt sich über gemeinsames Essen, Messen besuchen. Ruhe finden und die Erfahrungen in sich aufnehmen ist ebenso ein Ziel wie seinem Körper eine Pause zu gönnen. 

Einer der Mönche sagte zu meinem Gesprächspartner: Jeder Pilger ist ein Mensch, somit anders und somit ein Geheimnis für sich. Es ist wichtig Kontakt mit Gott zu suchen, das innere Leben ergründen und diese Erfahrung zu spüren.

In Foncebadon war Sonntag und die kleine Ortschaft ist sehr sehr übersichtlich (im Sinne von klein). Genügend Zeit sich Gedanken zu machen. Komme ich an was an, weiss aber nicht an was. Habe ich Geduld genug um abzuwarten, und wird es sich zeigen? Es ist sicherlich gut auf die Stimme des Herzens zu hören, auf die Intuition zu warten. 

 

Später, viel später, bin ich froh nicht drei Tage in Rabanal verbracht zu haben. So wäre ich Germán in Ponferrara nicht mehr über den Weg gelaufen. Alles hat seinen Sinn, alles seine Bestimmung auf dem Camino, denke ich. Auch habe ich in der Herberge in Ponferrada Magnus von den Färöer-Insel wieder getroffen. Was habe ich verloren: Nichts, nur gewonnen. Zwei Freunde, weit weg, aber Dank eMail nur einen Mouseclick entfernt.

Lernerfahrung

Laufen auf dem Jakobsweg ist eine Lernerfahrung, in der ich lernte ein Gleichgewicht zwischen mir, dem Weg und meinem Körper zu finden. Ich habe dies in ähnlicher Form irgendwo gelesen oder gehört und dass wenn man dies schaffen kann, in der Lage ist einen Lebensstil zu entwickeln, der nicht nur ein paar Tage oder für eine Woche anhält, sondern einen bis nach Santiago und darüber hinaus tragen wird. Es ist eine sehr wertvolle Erfahrung, die ich auch in meinen Alltag übernehmen kann und möchte.

Der Wandel…

in einem selbst ist auf dem Camino erkennbar. Die Menschen sind fröhlich, sind kontaktfreudig. Es gibt kein böses Wort, abgesehen von leisen Flüchen gegen seine Füße :-) oder andere Wehwehchen, die ab und an auftreten. Die Menschen sind überall gut gelaunt, nicht nur die Wanderer, sondern auch die Bewohner am Jakobsweg. Ich erinnere mich nur die ältere Dame, die mir im Bergland von Galizien eines Morgens einen Pfannkuchen angeboten hat, oder die Dame in einer Ortschaft, die mir zeigte, dass wenn ich jetzt in die Richtung des Supermarketes abbiege, den Camino verlassen würde. Sie wartete doch tatsächlich bis ich mir mein Essen kaufte und beobachtete, bis ich wieder den gelben Pfeilen folgte. Sie sind einfach mit den Wanderern aufgewachsen und kümmern sich um uns. Eine schöne Erfahrung, die ich nicht vergessen werde. 

Auf dem Camino steht niemand über dem anderen. Es gibt keine Hierarchien. Alle sind gleich, egal aus welcher sozialen Stellung er kommt und in welche sie nach dem Weg zurückgehen. Die Menschen stehen nebeneinander.

Schön ist auch, sich selbst wichtig zu nehmen. Zu spüren, was Du brauchst, was Dein Körper braucht, Dir das zu geben, was Du brauchst. Du kannst den ganzen Tag über realisieren, dass Du immer positiven Gedanken hast, dass es Dir gut geht. Dieser Zustand ist mir erst nach Santiago, nach meiner Rückkehr in den Alltag, bewusst geworden. Es tut gut, sich daran zu erinnern. Du musst Dich mit Dingen beschäftigen, die Dich in Wirklichkeit nicht interessieren. Hier auf dem Camino ist es nur der nächste Schritt, die nächste Ortschaft, die nächste Herberge oder der nächste Tage. Sonst nichts!